Verfasst von: brtchibo | 31. Januar 2008

Das „Aus“ für Wien

Gestern um 11:00 Uhr wurde der Betriebsrat darüber in Kenntnis gesetzt, dass laut einem Vorstandsbeschluß der Röst- und Packbetrieb im Werk Wien mit Ende 2008 geschlossen wird.

Die Rösterei in Wien

In Mitarbeiterversammlungen um 14:00 Uhr und 22:00 Uhr erfolgte durch die Geschäftsführer Dr. Ingo Lanz, Manuel Fliegel und Immo Pfunder die Information an die Belegschaft. Den Ausführungen zufolge wurden alle Betriebe im Produktionsverbund einer harten Prüfung unterzogen, um Einsparungspotentiale herauszufinden. Gegen den Wiener Betrieb sprachen u.a. die schlechte strategische Lage, die Überkapazitäten in den anderen Werken, die die Wiener Produktion leicht abfangen können, und Nachteile in der Logistik. (Hafen in Hamburg, Fertigprodukt wieder nach Deutschland…)

Im Anschluß an die Mitteilung wurden bereits erste Gespräche über die Erstellung eines Sozialplanes für die Mitarbeiter aufgenommen. Der Betriebsrat arbeitet bereits eifrig an einer, für die zum Teil langjährig tätigen Kollegen, zufriedenstellenden Lösung. Betroffen sind insgesammt 73 Kolleginnen und Kollegen.
Die harte Maßnahme ist Teil einer Neuausrichtung des Tchibo-Konzerns, und soll die Wettbewerbsfähigkeit erhalten.

Stellungnahme der Konzernleitung:

Am 7.Dezember wurde den Beschäf­tigten der Tchibo GmbH auf einer Mitar­bei­ter­ver­sammlung das Konzept zur Neuaus­richtung des Unter­nehmens vorge­stellt. Der Name „Stärken stärken 2010″ drückt aus, dass die mit dem Programm verbun­denen Verän­de­rungen bis 2010 abgeschlossen sein werden und das Unter­nehmen bis dahin zu seinen tradi­tio­nellen Stärken
und Wachstum zurück­ge­funden haben wird.

Das mit der Strategie vergan­gener Jahre verbundene forcierte Wachstum hatte vor allem im Non Food Segment zur Schwä­chung der Origi­na­lität des Tchibo Modells gegenüber inter­na­tional agierenden Fachhändlern und discoun­tie­renden Wettbe­werbern geführt. Im deutschen Kaffee­markt ist Tchibo dank seiner starken Stellung im Bereich des tradi­tio­nellen Filter­kaffees Markt­führer. Die stark an Bedeutung gewin­nenden neuen Segmente des Kaffee­marktes – wie Espresso oder Einzel­por­tionen (Pads und Kapseln) – wachsen auch bei Tchibo zweistellig. Die Markt­füh­rer­schaft ist hier jedoch noch nicht erreicht.

Trotz einer zur Zeit für Handels­un­ter­nehmen befrie­di­genden Umsatz­rendite wird der unter Dr. Markus Conrad, Vorsit­zender des Vorstands der Tchibo GmbH, von Beginn an einge­schlagene Kurs mit erhöhter Konse­quenz und deutlichen finan­zi­ellen und organi­sa­to­ri­schen Anstren­gungen fortge­setzt. „Wir sind alle davon überzeugt, dass es mit Blick auf die Zukunft richtig ist, notwendige und bereits einge­leitete Verän­de­rungen entschlossen anzugehen. Nur so wird Tchibos Spitzen­stellung dauerhaft garan­tiert.“ beschreibt Dr. Markus Conrad die Situation.

Expansion im Osten

Erste Schritte zur Neupo­si­tio­nierung wurden bereits im letzten halben Jahr einge­leitet. So wurden Engage­ments in Frank­reich und den Nieder­landen beendet und dadurch frei werdende Ressourcen in den Aufbau des Filial- und Depot­ge­schäftes in den jungen und wachsenden Märkten Osteu­ropas einschließlich der Türkei inves­tiert. Als Konse­quenz dieser Neuaus­richtung wurde ein eigen­stän­diges Vorstandsressort für Osteuropa, das von der Geschäfts­füh­rerin in Polen, Wioletta Rosolowska verant­wortet wird, geschaffen (Presse­mit­teilung vom 1.11.2007). In West-Europa sind zukünftig Koope­ra­tionen mit starken und einzel­händ­le­risch erfah­renen lokalen Partnern Voraus­setzung für eine Expansion in neue Länder.

Drei Kernziele

Eine kraft­volle Expansion von Tchibo in Osteuropa, eine durch Leistung und Innovation emotional gestärkte Marke in den Kernländern Deutschland, Öster­reich und der Schweiz, und eine durch Kunde­n­ori­en­tierung, Disziplin und Unter­neh­mer­geist definierten Tchibo Kultur,  sind die drei wichtigsten  Ziele.

Das Non Food Konzept

Das Non Food Sortiment wird zukünftig stärker als bisher an der Kernziel­gruppe Frauen ausge­richtet. Qualität und Origi­na­lität haben zukünftig Vorrang vor Umsatz­wachstum. Die „Begehr­lichkeit durch Knappheit“ wird wieder belebt, die Restan­ten­pro­bleme der vergan­genen Jahre werden gelöst. Koope­ra­tionen mit Designern und Ideen­gebern spielen eine stärkere Rolle. Erste Eindrücke der neuen Sortiments­po­litik wurden in diesem Jahr durch die gemeinsam mit dem ehema­ligen adidas Chefde­signer Michael Michalsky angebo­tenen Mode-Kollek­tionen vermittelt. Der Start der Zusam­men­arbeit mit Thomas Gottschalk im laufenden Weihnachts­ge­schäft sowie eine erste Küchen-Kollektion des engli­schen Starde­si­gners Sir Terence Conran zeigen den Weg. Das gesamte Liefe­r­an­tennetz wird mit Blick auf nachhaltige Qualität überprüft. Erstklassige Liefe­ranten, mit denen Tchibo langfristig zusam­men­ar­beitet, begleiten die Höher­po­si­tio­nierung von Tchibo.

Das Food Konzept

Im Food-Bereich konzen­triert sich Tchibo wieder vollständig auf den Kaffee. Randbe­reiche wie Schokolade werden aufge­geben. In den Markt­seg­menten Espresso / Crema und Einzel­por­tionen gewinnt Tchibo Markt­an­teile, insbe­sondere durch das preislich attraktive und quali­tativ hochwertige Kapsel-System „Cafissimo“. Bei ökolo­gisch und sozial nachhal­tigen Kaffees setzt Tchibo entspre­chend seinem Anspruch als Quali­täts­führer zukünftig Maßstäbe. Schon 2008 erreicht der Anteil nachhal­tiger Kaffees im Tchibo-Sortiment 6% des Kaffeeum­satzes. Dies ist eine Vervier­fa­chung gegenüber dem Vorjahr.

Das Filial­konzept

Die Marken­bildung erfolgt auch künftig durch die eigene Filiale. Bis 2010 wird mit einem hohen zweistel­ligen Millio­nen­betrag das Ladennetz neu gestaltet. Größere Tchibo Filialen sollen zukünftig der „Frau auf Einkaufstour“ die Möglichkeit einer genuss­vollen Kaffee­pause und Momente der Inspi­ration bieten. Eine attraktive Mischung aus Kaffeehaus- und Fachhan­delsat­mo­sphäre vermittelt Vertrauen und Qualität. Im Tages­verlauf wechselnde Snack-Angebote und eine lebhafte Insze­nierung der Tchibo Welten werden dazu beitragen. Verän­derte logis­tische und waren­wirt­schaft­liche Prozesse werden ermög­lichen, Verkaufs­flächen zu vergrößern und Lager­flächen zu verkleinern. Zur Zeit werden alle 1200 Filialen in Deutschland, Öster­reich, Schweiz und England auf ihre zukünftige Konzept­fä­higkeit überprüft. Tchibo wird verstärkt mit ausge­wählten Franchise-Partnern zusam­men­ar­beiten.

Das Online-Konzept

Tchibo.de ist bereits heute eine der stärksten e-commerce Platt­formen in Deutschland und wird weiter wachsen. Mit zahlreichen neuen Web 2.0 Kompo­nenten spricht Tchibo zukünftig neben den Sicherheit suchenden Internet-Kunden auch jüngere Zielgruppen an. Inter­aktive Inter­ne­t­an­wen­dungen ermög­lichen einen inten­siven Dialog mit den Kunden.  Die gemein­samen Möglich­keiten der Tchibo Filialen und Tchibo.de werden zu einem umfang­reichen Service­an­gebot für die Kunden verknüpft. Tchibo setzt dabei verstärkt auf die im März diesen Jahres erfolg­reich einge­führte Kunden­karte (Tchibo Privat Card), die bereits mehr als 1,2 Mio. Tchibo Kunden nutzen.

Das Depot-Konzept

Aus der künftigen Filial­kon­zeption abgeleitet werden verän­derte Auftritte für die Tchibo-Depots entwi­ckelt. Zukünftig sollen modulare Varianten für die verschie­denen Typen des Fach- und Lebens­mit­te­lein­zel­handels den unter­schied­lichen Konzepten der Partner gerecht werden und Poten­tiale besser ausschöpfen. So werden z. B. den tradi­tio­nellen Bäckerei-Partnern eigen­stän­digere Kaffee­sor­ti­mente und neue Ausschank­mo­delle angeboten. Die Pflege der Depots durch Tchibo wird zukünftig inten­si­viert. Das Vertriebsnetz der Depots wird gestrafft.  

Struk­tur­ver­än­de­rungen

Die Neuaus­richtung des Unter­nehmens bringt umfang­reiche Verän­de­rungen in den Arbeits­ab­läufen und in der Struktur. Lösungen werden zur Zeit erarbeitet. Mit den Betriebs­räten wurden vorsorglich ein sozial­ver­träg­licher Inter­es­sens­aus­gleich und ein Sozialplan abgeschlossen. Dr. Markus Conrad: „Es gehört zur Tchibo Kultur, sich bei diesen Verän­de­rungs­pro­zessen recht­zeitig und intensiv um die Mitar­beiter zu kümmern. Und das tun wir.“

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Responses

  1. […] Bislang nicht in die Medien gekommen ist diese Meldung hier, dass nämlich Tschibo Österreich, der Röst- und Packbetrieb im Werk Wien mit Ende 2008 […]

  2. […] Moment, als ich einen kleinen Beitrag über das Anlegen von Maulkörben veröffentlichte. Weder der Beitrag über die Werksschließung, noch die Beiträge über die Verhandlungen zum Sozialplan haben so ein Echo hervorgerufen, als […]

  3. […] 15, 2008 von senfundkren ihres Vertrauens und aus. Purer Zufall spielt mir heute einen Blog in die Hand, der mich vom Titel her schon neugierig stimmte. Wer nennt denn seinen Blog schon […]


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