Gestern um 11:00 Uhr wurde der Betriebsrat darüber in Kenntnis gesetzt, dass laut einem Vorstandsbeschluß der Röst- und Packbetrieb im Werk Wien mit Ende 2008 geschlossen wird.

In Mitarbeiterversammlungen um 14:00 Uhr und 22:00 Uhr erfolgte durch die Geschäftsführer Dr. Ingo Lanz, Manuel Fliegel und Immo Pfunder die Information an die Belegschaft. Den Ausführungen zufolge wurden alle Betriebe im Produktionsverbund einer harten Prüfung unterzogen, um Einsparungspotentiale herauszufinden. Gegen den Wiener Betrieb sprachen u.a. die schlechte strategische Lage, die Überkapazitäten in den anderen Werken, die die Wiener Produktion leicht abfangen können, und Nachteile in der Logistik. (Hafen in Hamburg, Fertigprodukt wieder nach Deutschland…)
Im Anschluß an die Mitteilung wurden bereits erste Gespräche über die Erstellung eines Sozialplanes für die Mitarbeiter aufgenommen. Der Betriebsrat arbeitet bereits eifrig an einer, für die zum Teil langjährig tätigen Kollegen, zufriedenstellenden Lösung. Betroffen sind insgesammt 73 Kolleginnen und Kollegen.
Die harte Maßnahme ist Teil einer Neuausrichtung des Tchibo-Konzerns, und soll die Wettbewerbsfähigkeit erhalten.
Stellungnahme der Konzernleitung:
Am 7.Dezember wurde den Beschäftigten der Tchibo GmbH auf einer Mitarbeiterversammlung das Konzept zur Neuausrichtung des Unternehmens vorgestellt. Der Name „Stärken stärken 2010″ drückt aus, dass die mit dem Programm verbundenen Veränderungen bis 2010 abgeschlossen sein werden und das Unternehmen bis dahin zu seinen traditionellen Stärken
und Wachstum zurückgefunden haben wird.
Das mit der Strategie vergangener Jahre verbundene forcierte Wachstum hatte vor allem im Non Food Segment zur Schwächung der Originalität des Tchibo Modells gegenüber international agierenden Fachhändlern und discountierenden Wettbewerbern geführt. Im deutschen Kaffeemarkt ist Tchibo dank seiner starken Stellung im Bereich des traditionellen Filterkaffees Marktführer. Die stark an Bedeutung gewinnenden neuen Segmente des Kaffeemarktes – wie Espresso oder Einzelportionen (Pads und Kapseln) – wachsen auch bei Tchibo zweistellig. Die Marktführerschaft ist hier jedoch noch nicht erreicht.
Trotz einer zur Zeit für Handelsunternehmen befriedigenden Umsatzrendite wird der unter Dr. Markus Conrad, Vorsitzender des Vorstands der Tchibo GmbH, von Beginn an eingeschlagene Kurs mit erhöhter Konsequenz und deutlichen finanziellen und organisatorischen Anstrengungen fortgesetzt. „Wir sind alle davon überzeugt, dass es mit Blick auf die Zukunft richtig ist, notwendige und bereits eingeleitete Veränderungen entschlossen anzugehen. Nur so wird Tchibos Spitzenstellung dauerhaft garantiert.“ beschreibt Dr. Markus Conrad die Situation.
Expansion im Osten
Erste Schritte zur Neupositionierung wurden bereits im letzten halben Jahr eingeleitet. So wurden Engagements in Frankreich und den Niederlanden beendet und dadurch frei werdende Ressourcen in den Aufbau des Filial- und Depotgeschäftes in den jungen und wachsenden Märkten Osteuropas einschließlich der Türkei investiert. Als Konsequenz dieser Neuausrichtung wurde ein eigenständiges Vorstandsressort für Osteuropa, das von der Geschäftsführerin in Polen, Wioletta Rosolowska verantwortet wird, geschaffen (Pressemitteilung vom 1.11.2007). In West-Europa sind zukünftig Kooperationen mit starken und einzelhändlerisch erfahrenen lokalen Partnern Voraussetzung für eine Expansion in neue Länder.
Drei Kernziele
Eine kraftvolle Expansion von Tchibo in Osteuropa, eine durch Leistung und Innovation emotional gestärkte Marke in den Kernländern Deutschland, Österreich und der Schweiz, und eine durch Kundenorientierung, Disziplin und Unternehmergeist definierten Tchibo Kultur, sind die drei wichtigsten Ziele.
Das Non Food Konzept
Das Non Food Sortiment wird zukünftig stärker als bisher an der Kernzielgruppe Frauen ausgerichtet. Qualität und Originalität haben zukünftig Vorrang vor Umsatzwachstum. Die „Begehrlichkeit durch Knappheit“ wird wieder belebt, die Restantenprobleme der vergangenen Jahre werden gelöst. Kooperationen mit Designern und Ideengebern spielen eine stärkere Rolle. Erste Eindrücke der neuen Sortimentspolitik wurden in diesem Jahr durch die gemeinsam mit dem ehemaligen adidas Chefdesigner Michael Michalsky angebotenen Mode-Kollektionen vermittelt. Der Start der Zusammenarbeit mit Thomas Gottschalk im laufenden Weihnachtsgeschäft sowie eine erste Küchen-Kollektion des englischen Stardesigners Sir Terence Conran zeigen den Weg. Das gesamte Lieferantennetz wird mit Blick auf nachhaltige Qualität überprüft. Erstklassige Lieferanten, mit denen Tchibo langfristig zusammenarbeitet, begleiten die Höherpositionierung von Tchibo.
Das Food Konzept
Im Food-Bereich konzentriert sich Tchibo wieder vollständig auf den Kaffee. Randbereiche wie Schokolade werden aufgegeben. In den Marktsegmenten Espresso / Crema und Einzelportionen gewinnt Tchibo Marktanteile, insbesondere durch das preislich attraktive und qualitativ hochwertige Kapsel-System „Cafissimo“. Bei ökologisch und sozial nachhaltigen Kaffees setzt Tchibo entsprechend seinem Anspruch als Qualitätsführer zukünftig Maßstäbe. Schon 2008 erreicht der Anteil nachhaltiger Kaffees im Tchibo-Sortiment 6% des Kaffeeumsatzes. Dies ist eine Vervierfachung gegenüber dem Vorjahr.
Das Filialkonzept
Die Markenbildung erfolgt auch künftig durch die eigene Filiale. Bis 2010 wird mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag das Ladennetz neu gestaltet. Größere Tchibo Filialen sollen zukünftig der „Frau auf Einkaufstour“ die Möglichkeit einer genussvollen Kaffeepause und Momente der Inspiration bieten. Eine attraktive Mischung aus Kaffeehaus- und Fachhandelsatmosphäre vermittelt Vertrauen und Qualität. Im Tagesverlauf wechselnde Snack-Angebote und eine lebhafte Inszenierung der Tchibo Welten werden dazu beitragen. Veränderte logistische und warenwirtschaftliche Prozesse werden ermöglichen, Verkaufsflächen zu vergrößern und Lagerflächen zu verkleinern. Zur Zeit werden alle 1200 Filialen in Deutschland, Österreich, Schweiz und England auf ihre zukünftige Konzeptfähigkeit überprüft. Tchibo wird verstärkt mit ausgewählten Franchise-Partnern zusammenarbeiten.
Das Online-Konzept
Tchibo.de ist bereits heute eine der stärksten e-commerce Plattformen in Deutschland und wird weiter wachsen. Mit zahlreichen neuen Web 2.0 Komponenten spricht Tchibo zukünftig neben den Sicherheit suchenden Internet-Kunden auch jüngere Zielgruppen an. Interaktive Internetanwendungen ermöglichen einen intensiven Dialog mit den Kunden. Die gemeinsamen Möglichkeiten der Tchibo Filialen und Tchibo.de werden zu einem umfangreichen Serviceangebot für die Kunden verknüpft. Tchibo setzt dabei verstärkt auf die im März diesen Jahres erfolgreich eingeführte Kundenkarte (Tchibo Privat Card), die bereits mehr als 1,2 Mio. Tchibo Kunden nutzen.
Das Depot-Konzept
Aus der künftigen Filialkonzeption abgeleitet werden veränderte Auftritte für die Tchibo-Depots entwickelt. Zukünftig sollen modulare Varianten für die verschiedenen Typen des Fach- und Lebensmitteleinzelhandels den unterschiedlichen Konzepten der Partner gerecht werden und Potentiale besser ausschöpfen. So werden z. B. den traditionellen Bäckerei-Partnern eigenständigere Kaffeesortimente und neue Ausschankmodelle angeboten. Die Pflege der Depots durch Tchibo wird zukünftig intensiviert. Das Vertriebsnetz der Depots wird gestrafft.
Strukturveränderungen
Die Neuausrichtung des Unternehmens bringt umfangreiche Veränderungen in den Arbeitsabläufen und in der Struktur. Lösungen werden zur Zeit erarbeitet. Mit den Betriebsräten wurden vorsorglich ein sozialverträglicher Interessensausgleich und ein Sozialplan abgeschlossen. Dr. Markus Conrad: „Es gehört zur Tchibo Kultur, sich bei diesen Veränderungsprozessen rechtzeitig und intensiv um die Mitarbeiter zu kümmern. Und das tun wir.“
[...] Bislang nicht in die Medien gekommen ist diese Meldung hier, dass nämlich Tschibo Österreich, der Röst- und Packbetrieb im Werk Wien mit Ende 2008 [...]
Von: Puls.tv und Tschibo Österreich « work@flex am 11. Februar 2008
um 4:52
[...] Moment, als ich einen kleinen Beitrag über das Anlegen von Maulkörben veröffentlichte. Weder der Beitrag über die Werksschließung, noch die Beiträge über die Verhandlungen zum Sozialplan haben so ein Echo hervorgerufen, als [...]
Von: Big Brother! « Angestelltenbetriebsrat am 7. März 2008
um 11:45
[...] 15, 2008 von senfundkren ihres Vertrauens und aus. Purer Zufall spielt mir heute einen Blog in die Hand, der mich vom Titel her schon neugierig stimmte. Wer nennt denn seinen Blog schon [...]
Von: Danke, der Kaffeeröster … « SENF + KREN am 15. März 2008
um 9:25